Mittwoch, 20. April 2011

Eine innere Reise, auf der du dich mit allem in dir anfreundest: Andreas interviews Alan

      Alan, was ist das Art of Being-Training?

Alan: Lass uns zunächst über das Training als solches reden. Der Grund, warum Leute ein langes Training machen wollen, ist der, dass sie sich über einen Zeitraum von sechzehn Monaten immer wieder treffen und so zu einer tief verbundenen Familiengemeinschaft werden. Alles geht sehr viel tiefer, wenn Menschen miteinander vertraut sind. Und über die e-Group, die Teil des Trainings ist, können sie auch täglich Kontakt haben, was sehr wichtig ist, weil so der Lern- und Heilungsprozess niemals aufhört!

Was ist das Besondere am Art of Being-Training?

Im Wesentlichen zeigt The Art of Being einen Weg durch die Schichten von Persönlichkeit und Ego, aufgrund derer die Menschen so beschäftigt mit ihrem Selbstbild sind. Das ist die Art und Weise, wie wir gelernt haben, in der Welt zu funktionieren. Wir wachsen in einer Welt auf, in der wir lernen, uns zu verurteilen, so dass wir das Gefühl haben, in gewissen Dingen nicht gut genug zu sein. Daraus werden innere Bereiche, die wie Zimmer in unserem Haus sind, die wir besser nicht betreten: Das ist schlecht, das ist falsch, das ist sündhaft. Ich sollte es besser machen? Ich bin nicht gut genug. Wir entwickeln unsere Persönlichkeit, um gut in der Welt funktionieren zu können, und sie soll auch dazu dienen, dass wir diese inneren Verurteilungen aushalten.

Neben all den anderen Ressourcen, die sie zu bieten haben, ermöglichen Art of Being-Workshops den Leuten, sich bewusst zu werden, dass ihre Persönlichkeit nur ein Kostüm ist, eine Verkleidung. Bei The Art of Being geht es um die Entdeckung dieses WESENS, das wir meistens innen versteckt halten – nicht nur versteckt vor anderen, sondern vor uns selbst! Es ist erstaunlich, wie viele Menschen leben und sterben und niemals erkennen, dass sie nicht dasselbe wie ihre Persönlichkeit sind. Es klingt recht bombastisch, wenn man es so ausdrückt, aber ehrlich gesagt: Wenn du in dem Glauben lebst und stirbst, du wärest deine Persönlichkeit, heißt das, dass DU niemals gelebt hast!

Die Art of Being-Reise ist eine Reise, die heraus aus dem Kopf, der so beschäftigt ist mit dem Image und der Persönlichkeit, und hinein in dein ganzes Wesen führt. Sie bringt dich in deine Gefühle hinein und hilft dir, dich mit ihnen anzufreunden, besonders bei denen, die du zu fürchten oder zu verurteilen gelernt hast. Kurz gesagt, The Art of Being ist ein Prozess des Sich-Befreundens mit allem in dir, mit dem du noch keine Freundschaft geschlossen hast. Indem du dich damit anfreundest – ob es deine Traurigkeit, deine Aufregung, deine Verspieltheit, deine Sexualität, deine Offenheit für das Mysteriöse im Leben oder irgendetwas anderes ist –, indem du sensibel dafür wirst, wird es integriert in dein Wesen, wird es zu dem, was du bist. Und es wird zu deinem Lebensgefühl. Indem du in diesem Kaleidoskop der Gefühle immer empfindsamer wirst, gelangst du an einen Punkt, an dem dein Herz sich öffnet, an dem du Liebe als einen Aspekt des Daseins entdeckst. So wirst du schließlich zu einem liebenden Wesen. Nicht gegenüber einer bestimmten Person – was natürlich auch der Fall sein kann, aber es geht darum, dass du hineinwächst in eine Liebe zum Dasein selbst, zur Existenz, zum Leben. Wenn das passiert, wenn dein Herz sich öffnet und du das Leben mit der Gesamtheit deiner Gefühle annehmen kannst, dann beginnst du empfänglich zu werden für das Unfassbare, das Geheimnisvolle, das Mystische. Wenn du dich immer weiter öffnest, verbindet dich das am Ende mit deiner Seele.

Du sprichst oft von der Seele. Ist das ein wichtiger Aspekt des Art of Being-Trainings?

Das Traurigste an unserer normalen, „zivilisierten“ Welt ist, wie sie es fertig bringt, uns von unserer eigenen Seele zu entfremden. So viele Menschen haben die intime Verbindung zu ihrer Seele verloren. Wenn das geschieht, ist unsere Wahrnehmung vom Leben eingeschränkt, denn wir haben den Kontakt zu dem verloren, was unserem persönlichen Leben und unserer persönlichen Erfahrung ihre wahre Magie, ihr wahres Wunder, ihre wahre Schönheit verleiht. Wenn wir das nicht haben, bleibt uns gewissermaßen nur der Versuch, das Beste aus unserem Leben zu machen. An diesem Punkt übernimmt die Persönlichkeit das Ruder. Das ist das Beste, was wir unter diesen Umständen machen können. Das ist wirklich traurig!

Ist The Art of Being ein Weg, um aus diesem traurigen Zustand herauszukommen?

Ob das Leben der Menschen so glücklicher wird? Absolut! Wenn dir gefällt, wer du bist, wenn du Freundschaft geschlossen hast mit allem, was du bist, dann ist Glücklichsein deine Daseinsform. Selbst wenn dann etwas passiert, das Traurigkeit, Wut, Schmerz oder Angst mit sich bringt, musst du nicht davor weglaufen, zurück zu den Possen deiner Persönlichkeit. Du kannst dableiben! Darum heißt auch mein Buch – und es ist wirklich fast fertig! – BLEIB HIER, EGAL WAS KOMMT.

Und bei dieser Reise ins Sein geht es um so viel mehr als nur Glücklichsein. Wenn du wirklich mit deinem ganzen Wesen offen bist, schenkt dir deine Seelenverbindung ein fortwährendes Gewahrsein des ewigen Geistes, der in allem lebt, was ist. Nenne ihn Gott, Quelle, was auch immer. Du musst nicht an ihn glauben. Wenn du mit deinem ganzen Wesen präsent bist, ist er in dir präsent! Also ist The Art of Being eine Reise, die dich zuerst mit deiner Natur und deinen Gefühlen verbindet. Dadurch öffnet sich allmählich dein Herz, und du entdeckst, was es heißt, völlig präsent in deinem ganzen Wesen zu sein, und plötzlich bist du hier, mitten in deiner Seele. Wenn das einmal passiert ist, erlebst du jeden Tag eine neue Beziehung zur Existenz, und dazu gehört das Mysterium, das ich „Geist“ nenne. Durch die Verbindung zu unserer eigenen Seele geschieht unser spirituelles Erwachen und unsere Bewusstheit. Dazu braucht es keinen Glauben, nur die Erfahrung, all das zu werden, was du bist!

Für wen ist dieses Training gedacht?

Es ist wirklich für jeden, der das Gefühl hat, es müsse im Leben mehr geben als das, was er oder sie gerade lebt. Es ist für Leute, die eine bestimmte Art von – kreativer Unzufriedenheit, wie ich es nenne – spüren. Ach weißt du, das Leben ist okay, es ist so la-la, es läuft ganz gut, ich kann viel Erfolg haben, aber ...! Dieses „aber“ ist eine Sehnsucht, die sich tief in ihnen bewegt. Wenn du so eine Sehnsucht hast, bist du in Resonanz mit The Art of Being. Ich könnte auch sagen, das Art of Being-Training ist für Leute, die davon hören und sagen: „Aha! Das ist etwas für mich.“ Sie lesen zum Beispiel dieses Interview, und etwas spricht ihre Sehnsucht an, das, wonach sie suchen. Wenn ich an die unterschiedlichen Menschen denke, die das Art of Being-Training gemacht haben – das Spektrum ist so groß. Und genau das liebe ich: Es richtet sich nicht an eine bestimmte Sorte Menschen, sondern an alle, die diese Sehnsucht nach einer Art innerer Bereicherung, Erkenntnis und auch Heilung haben. Ja, es ist auch etwas für Leute, die mit Verletzungen leben, die sie auszuhalten gelernt haben, und die gern frei von ihnen wären. Es ist für Leute, die mit ihrem Lebensstil nicht zufrieden sind und echte Veränderung wollen. Es ist für Leute, die bereits angeturnt sind von Erfahrungen, die sie in Art of Being-Workshops gemacht haben, und die tiefer gehen wollen. Und natürlich ist es für Leute, die andere Menschen führen wollen.

Ich liebe es, wenn Lehrer zu Art of Being-Trainings kommen. Eine Sache, die mir sehr wichtig ist, ist die Erkenntnis, dass der beste Lehrer, der ich sein kann, nicht einer ist, der die Antworten gibt. Der beste Lehrer in mir ist derjenige, der einen Raum schaffen kann, in dem jemand das lernen kann, wofür er gekommen ist. Für mich ist ein wirklich guter Lehrer ein lernender Adept – einer, der gut darin ist, einen Raum zu schaffen, in dem Menschen LERNEN KÖNNEN, WAS SIE LERNEN MÜSSEN. Die Leute mit weisen und erleuchteten Antworten zu füttern macht sie abhängig von den Antworten anderer. Ein guter Lehrer tut etwas völlig anderes – er öffnet Türen, die Menschen dazu einladen, durch ihre eigene Erfahrung Entdeckungen zu machen. Die andere Form des Lehrens nährt nur den Verstand.

Was macht The Art of Being als Weg des persönlichen Wachstums für Menschen sicher?

Liebe. Obwohl ich so eine schwere Kindheit hatte, wusste ich von Anfang an, dass meine Mutter mich liebte. Ich erkannte diese Tatsache in einem sehr wichtigen Moment. Ich musste Jahre durchmachen, in denen ich die Verbindung zur Liebe verloren hatte, und sie wiederzufinden war meine persönliche Reise der Heilung. Ich bin meiner Mutter so dankbar. Ich glaube, weil sie so war, wie sie war, kann ich Menschen auf meine Art lieben. Was den Raum eines Workshops sicher macht, ist die Liebe darin. Und es ist nicht nur meine Liebe – so viele Menschen, die dort im Kreis sitzen, sind in Berührung mit ihrer eigenen Liebe. Wenn die Liebe präsent ist, lässt sie dich sein. Ihre Gegenwart sagt: Ich feiere dein Dasein. Ich unterstütze dein Dasein. Diese Qualität von Liebe, die im Kreis präsent ist, gibt den Menschen Sicherheit, so dass sie das Abenteuer wagen und an Orte gehen können, die sie wirklich ängstigen, denn sie tragen ihre Ängste in sich. Deshalb kommen sie zu den Workshops: Sie sehnen sich danach, frei von der Angst zu sein, die ihr Leben viel zu lange eingeengt hat. Die Liebe macht es sicher für sie, auf ihre Reise zu gehen, und Präsenz und Bewusstsein geben das Licht, das sie leitet. Wie Osho zu sagen pflegte – Liebe und Bewusstheit: die beiden Flügel des Seins!

Interview: Andreas B. Müller, Übersetzung: Susann Pasztor


Im Mai 2011 beginnt im Zentrum Waldhaus in Lützelflüh in der Schweiz ein neues Art of Being-Training mit Alan Lowen.