Vielleicht war da eine kleine Lücke in meinem Vertrauen. Es hatte mich auf der Stelle gepackt, als meine Freundin Sabine mir im Frühjahr von einem Qi-Gong-Seminar erzählte, das sie vor kurzem in der marokkanischen Sahara geleitet hatte. Genau dort war ich vor 45 Jahren gewesen. Ich erinnerte mich lebhaft an meinen ersten Vorgeschmack von Wüste. Als junger Mann war ich per Anhalter quer durch Europa gereist und fuhr dorthin, wohin ich mitgenommen wurde. Als ich Gibraltar erreichte, war es unwiderstehlich, wenn auch etwas beängstigend, die Fähre über die Meerenge nach Tanger in Nordafrika zu nehmen. Casablanca, Marrakesch, Fez, Atlas-Gebirge – und DIE SAHARA! Das war 1965, und meine Welt war dabei, sich zu öffnen. Ich sagte Ja zum Abenteuer, und das Schicksal segnete mich. Ich schaffte es, an alle diese Orte zu gelangen, und reiste den ganzen Weg durch das sagenhafte Draa-Tal und in die Wüste.
„Lass und zusammen eine Gruppe dorthin bringen“, schlug Sabine vor, und schon als sie es aussprach, wusste ich, dass es passieren würde. Ein weiterer Kreis war im Begriff, sich zu schließen. Diesmal würden wir als Art of Being-Karawane auf Kamelen in die Sahara trekken; als Morgenmeditation würde Sabine Qi-Gong-Unterricht geben, während ich uns täglich zusammenbringen würde, um unsere Öffnung für das unermessliche Mysterium um uns herum und in uns zu unterstützen.
Und so war es! Unser Berberteam führte uns 5 Tage lang auf unseren Kamelen in die Sahara. Am Ende der Vor- und Nachmittage schlugen sie ein Lager auf und kochten unsere Mahlzeiten – im Wüstenstil und überraschend gut. Von Anfang an war mir klar, dass der wahre Gruppenleiter nicht ich sein würde, sondern die Sahara. Sicher, während die Berber kochten, würden wir uns für ein bis zwei Stunden im Kreis auf einem Teppich versammeln, den sie für uns auf den Wüstensand legen würden, und dann würde ich alles los- und seinlassen. Ich musste darüber hinaus nichts gestalten oder strukturieren. In der Tat, DAS SOLLTE ICH NICHT! Ich sollte DAS WÜSTENERLEBNIS zulassen! Die Vision erregte mich; auch dadurch fiel ich um Jahrzehnte zurück. Ich konnte mit der Gruppe so sein, wie ich es während der ersten 12 Jahre meiner Seminare im Kreis der Teilnehmer immer gewesen war: einfach mit allen dasitzen und die Dinge auf natürliche Weise geschehen lassen. Meine einzige Verantwortung war, den Raum offen und frei von Ablenkungen zu halten, so dass diesmal die Wüste in uns eindringen und wir uns in ihr verlieren konnten. Wie Van Morrison in einem meiner Lieblingslieder singt: „Just you and me in nature, in the garden, and the father…“ („Nur du und ich in der Natur, im Garten, und der Vater…“). Die Wüste unser Garten, ihr Geist unser Vater.
Ich liebte diese Vorstellung. Tatsächlich? Oder hatte ich begonnen, an ihrer Schlichtheit zu zweifeln? Trug ich ein wenig Angst in mir, dass, anstatt uns noch tiefer ins Sein zu bringen, die unendliche Sahara-Weite uns abschleifen könnte, bis wir so belanglos würden wie der Staub im Wüstenwind? GAB ES EINE LÜCKE IN MEINEM VERTRAUEN?
Wie hätte ich auch daran zweifeln können, dass die Wüste – so sehr ich auch Leiter sein mochte – ebenfalls mein Sein bearbeiten würde? Schon bevor ich Europa verließ, um nach Afrika zu reisen, hatte das Leben begonnen, mich mit einer höllischen Erkältung zu zermürben. Als mein Flugzeug Casablanca erreichte, wollte ich mich nur noch hinlegen und mehrere Tage schlafen. Tatsächlich musste ich noch 8 Stunden auf meine Flugverbindung nach Ouarzazate-Stadt am Nordrand der Sahara warten, dort, wo das 21. Jahrhundert in den vergangenen Zeiten verschwindet. Der Abflug war verspätet, und es war 2 Uhr in der Nacht, als ich das Hotel erreichte, in dem wir uns alle treffen sollten. Ich war todmüde. Alles, was ich am nächsten Tag noch machen konnte, war zu erscheinen. Ich sah aus und fühlte mich wie ein Gespenst. Wir fuhren einen halben Tag lang in drei Jeeps Richtung Süden zu einem schönen Oasen-Hotel und versammelten uns vor dem Essen: kurze Begrüßungen, organisatorische Dinge und die rudimentärste Einführung, die ich seit Jahren gegeben hatte. Ob ich es wollte oder nicht, war ich genauso reduziert wie bei meiner Führungsvision. Das war alles, was ich tun konnte, um überhaupt etwas zu sagen und wenigstens die Menschen zu sehen, die gekommen waren, um bei diesem Abenteuer dabei zu sein. Am nächsten Morgen wanderten wir, geplagt von einen leichten Sandsturm, eine Stunde in die Wüste, um unsere Berber zu treffen und auf die Kamele zu steigen, die unsere persönlichen Begleiter für die nächsten fünf Tage werden sollten. Das Wüstenerlebnis hatte begonnen.
Ich fühlte mich krank. Dennoch brachte mich der Kamelritt fast sofort in einen Raum, wo das Geschehen in meinem Körper mir nichts mehr ausmachte. Die Wüste hatte mich! Während der ersten 2 Tage sagte ich kaum etwas in unseren Art of Being-Zusammenkünften. Ich holte nicht einmal die Teilnehmer in den Kreis. Ich wollte nur noch das Allernötigste tun, und wenn die Leute sich Zeit ließen, bevor sie auftauchten, dann war es eben so. Sie taten beides – sich Zeit nehmen und dann auftauchen –, und das so zwanglos, dass es fast nicht mehr als ein Art of Being-Kreis zu erkennen war. Die Anforderung, in meinem ausgelaugten Körper präsent zu sein, mit der laufenden Nase, dem verschleimten Hals, den roten weinenden Augen - all das machte mir wenig Lust, das Geschehen zu leiten oder zu beeinflussen. Mein Verstand sagte: „Das ist falsch. Du solltest wenigsten allen sagen, dass sie in den Kreis kommen sollen.“ Doch tief im Inneren meines körperlichen Elends war ich froh und amüsierte mich prächtig. Die Wüste machte ihre Stellung klar, sie vernichtete jegliche Pläne, die meine Zweifel aushecken könnten, um die Kontrolle zu übernehmen, und zog ihr eigenes Programm durch. Was immer zwischen uns geschah, würde nicht passieren, weil ich die Gruppe leitete, sondern weil die Wüste uns hatte. Ja, wir sind hier, um DIE KUNST DES SEINS IN DER WÜSTE zu entdecken.
Nach diesen ersten zwei Tagen kehrte meine Energie zurück, und ich wurde wieder lebendig, in dem freudigen Vertrauen, dass die Wüste jedem von uns tatsächlich alles gab, was wir brauchten. Ich fühlte mich immer mehr mit jedem verbunden, und gleichzeitig – und ich konnte sehen, dass es auch für alle anderen galt – war ich zutiefst allein. Am zweiten Trekkingtag erinnerte ich mich an die „Canterbury Tales“. Geoffrey Chaucer schrieb im vierzehnten Jahrhundert dieses lange narrative Gedicht, das aus Geschichten besteht, die verschiedene Figuren auf einer gemeinsamen religiösen Pilgerreise durch England erzählen. An diesem Abend berichtete ich davon im Kreis und schlug vor, etwas Ähnliches zu machen: Jedem stand frei, dem Kreis eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen. Den anderen gefiel die Idee, und da ich den Vorschlag gemacht hatte, wollte ich auch damit beginnen. Fragt nicht, was für Geschichten in diesen Kreisen erzählt wurden. Es waren außergewöhnliche Schätze, die in der Wüste geschenkt und empfangen wurden, zusammen mit dem Versprechen, dass sie auch dort bleiben würden. Wir nahmen das mit nach Hause, was in sie uns berühren, bewegten, heilten und verwandelten.
Wenn die Sonne unterging, stieg eine klare stille Kälte herab, als würde die Wüste nun zum Weltall gehören. Trotz meiner Erkältung wollte ich von Anfang an dazugehören. Ich machte jeden Abend mein Bett in den Sanddünen und schlief nicht unter, sondern inmitten der Sterne. In der Wüstennacht ist alles Ewigkeit. Mit dem Tagesanbruch kehrt die Zeit zurück und mit ihr das Leben der Natur und des Daseins, hier, jetzt, mit der aufgehenden Sonne und den golden leuchtenden Dünen.
Ich schreibe dies in einem Zug auf dem Weg von Boston nach New York, nur 6 Tage, nachdem wir aus der Sahara zurückgekehrt sind. Es ist Volkstrauertag – Armistice Day in England –, an dem die westliche Welt derer gedenkt, deren Leben mitten in seiner Blüte auf dem Schlachtfeld beendet wurde. Dieselbe Sonne, die die Wüste erhitzt, erleuchtet draußen frostige Herbstblätter. Wenn du nach oben schaust, flüstert selbst auf diesem lauten Umschlagplatz der menschlichen Zivilisation dasselbe Himmelblau von der Ewigkeit. In der Wüste fühlen sich das Leben und der Tod viel näher an, und beide werden in den Armen der Ewigkeit sicher gehalten. Der Tod kann so unfreundlich sein. Dann ist es gut, sich an die Ewigkeit zu erinnern. Manchmal ist das der einzige Trost, und immer, immer ist es ein Segen.
