Präsent zu sein ist das, worauf es wirklich ankommt. Ohne Präsenz ist unser Dasein beliebig, uninteressant, unkreativ, unsicher und lieblos. Wenn wir präsent sind für alles, was hier und jetzt geschieht, erfahren wir das Leben mit einer Art Brillanz – im doppelten Sinne. Unsere Wahrnehmungen und Gefühle sind intensiv, weil sämtliche Rezeptoren aktiv und eingestimmt sind auf alle Nuancen, die dieser Moment enthält. Und wir können auf brillante Weise spielen, antworten, gestalten und arbeiten, denn in völliger Präsenz sind wir eins mit all unseren persönlichen Ressourcen und Talenten. Nichts von all dem Zeug, das uns normalerweise beschäftigt, kümmert uns noch. Unser Genius – und wir alle besitzen einen – kann sich entfalten und feiern, und das tut er mit Brillanz!
Wenn wir aus unserer Voreingenommenheit heraus und in den Zustand völliger Präsenz hinein gehen, dann lieben wir. Anders kann es gar nicht sein, denn unser Herz ist ein integraler Bestandteil unserer Ganzheit. Hier und jetzt zu sein heißt zu lieben. Das manifestiert sich natürlich in der Art, wie wir unsere geliebten Menschen lieben. Aber auch in der Art, wie wir einen Freund begrüßen, uns bei einer Verkäuferin bedanken, den Garten umgraben, den Hund ausführen, Musik hören, Klavier spielen oder Tennis oder den Clown. Es zeigt sich sogar in der Art, wie wir uns bei Unstimmigkeiten mit Kollegen bei der Arbeit verhalten, wie wir lästige Haushaltspflichten erledigen, wie wir einem unmöglichen Dilemma begegnen und wie wir mit dem Tod umgehen. Präsenz äußert sich in unserem Dasein als eine Leichtigkeit, mit der wir die Segnungen des Lebens feiern und seine Herausforderungen mit Anmut akzeptieren. Wenn wir da sind, ist unsere Liebe es auch. Und genau deshalb lieben wir Menschen, die wahrhaft präsent sind. Wenn sie gefragt werden, welche Eigenschaft sie sich am meisten von ihrem Mann wünschen, sagen Frauen immer wieder: „Präsenz!“ Natürlich gilt das auch umgekehrt und in allen Richtungen!
Als ich durch die dunkelsten Phasen meines Leben ging (ihr könnt nächstes Jahr in meinem Buch davon lesen!), retteten mich die Menschen, die sich zeigten, die WIRKLICH sichtbar waren, weil sie mir mit ihrem Wesen begegneten. Sie liebten mich. Keine Hätscheleien im Sinne von „Alles wird gut“, sondern echte Liebe – eine Präsenz, die das in mir annahm, wovor ich mich fürchtete, und die mich liebte, bevor ich mich selbst lieben konnte. Als das zum allerersten Mal passierte, hat es mein Leben für immer verändert. Das ist der Grund, warum ich seit 38 Jahren diese Arbeit mache: Ich schaffe den Raum, in dem Menschen erwachen und sich für das SEIN öffnen können. Indem ich immer und immer wieder geliebt wurde, lernte ich nach und nach, wie man liebt.
Als ich in der Achtzigerjahren begann, meine Arbeit THE ART OF BEING zu nennen, war mein Herz noch nicht so offen wie heute. Das spiegelten meine Workshops wider, die damals viel konfrontierender waren, als sie es jetzt sind. Genau wie meine Teilnehmer musste auch ich mir meinen Zugang zum Sein und zur Liebe erkämpfen! Es waren wilde Erfahrungen, und was sie so kostbar macht, ist die Tatsache, dass wir auf unserem Weg zum Sein auch die Liebe fanden. Meine Workshops waren gleichermaßen meine Lehrer wie meine Berufung. Aber die Liebe war eine heikle Sache, sie kam und ging wieder. Ich war immer noch zu ängstlich, um für alles offen zu bleiben, was in mir vorging – zu viele Verletzungen aus der Kindheit, die mich in meine Angst zurückwarfen. Angst verschließt das Herz, so wie vieles andere in unserem inneren Wesen. Ich fiel immer wieder zurück in Ängste, von denen ich glaubte, ihnen entwachsen zu sein, bis sie mich wieder am Hals packten und zumachten. Ich erinnere mich an meine naive Überzeugung, ich würde ab jetzt für immer offen und wach bleiben, als sich die Türen zum ersten Mal öffneten. Dann zeigte mir das Leben, wie viel ich noch zu lernen hatte, mit wie vielen Dingen in mir ich noch Freundschaft schließen musste – mit mehr als nur einem kleinen bisschen Hilfe von weisen Freunden.
Neulich sagte mir Inanna, meine 18-jährige Patentochter: „Wenn ich gestresst bin und zu dir nach Hause komme, werde ich immer friedlich und entspannt. Ich fühle mich so locker hier – und es liegt eigentlich nicht an deinem Haus. Es liegt an dir!“ Das war die schönste Bestätigung für das, was mein Leben ausmacht – ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen zu lieben beginnen, wer sie sind. In meiner Arbeit, THE ART OF BEING, geht es darum, die Momente einzufangen, in denen sie es nicht tun, und ihnen dabei zu helfen, aufzuwachen und ihr Dasein zu lieben, egal was geschieht. Tod, Sexualität, Beziehungen, Verletzungen aus der Kindheit, das Wiederfinden der Seele – welche Workshops auch immer, sie alle sind eine einzige Reise ins Hier und Jetzt, ins Dasein, in die Liebe.
